Gastbeitrag: I Support Wikileaks?

Donnerstag, Dezember 2nd, 2010 by Nosports -----

Geschrieben von Hyrican

Ich besitze tatsächlich eines dieser T-Shirts, natürlich ohne das Fragezeichen.
Also, warum habe ich da jetzt wohl ein Fragezeichen hinten dran gehängt?
Nun ja gar nicht so einfach zu erklären, zumindest nicht in ein oder zwei Sätzen, aber ich versuch es trotzdem mal.

Mir Stellt sich nach der Veröffentlichung der US Depeschen einfach die Frage, ob das wirklich eine so gute Idee ist IMMER und ALLES zu veröffentlichen. Ist es wirklich eine gute Idee abseits der ganzen politischen Rhethorik einfach mal alles was im stillen Kämmerlein der Diplomaten rausgelassen wird an die Öffentlichkeit zu zerren?

Irgendwie erinnert mich das ganze auch so ein bisschen an die Facebook/StudieVZ/whatever Diskussion, nur auf internationaler Ebene, durchaus vergleichbar mit versoffenen Bildern, die einem bei einem Bewerbungsgespräch vor den Latz geknallt werden. Nur eben unter den Diplomaten dieser Welt.
Unterm Strich sehr amüsant, aber hat es, ausser das es für uns mal interesant ist, wirklich irgendeinen Sinn das zu veröffentlichen?
Gibt es da ein berechtigtes öffentliches Interese die internen diplomatischen Depeschen eines Landes zu veröffentlichen?
Nur um zu sehen wie das alles so funktioniert würd ich jetzt nicht gelten lassen. Und meine ganz naive Meinung ist, dass es für Länder möglich sein sollte zwanglos miteinander sprechen zu können, intern gilt das wohl noch mehr und sei es nur hinter verschlossenen Türen, abseits der ganzen Rhethorik.
Man stelle sich Beispielsweise vor nach der Cuba Krise 1962 wäre der interne Schriftverkehr rausgekommen, oder schlimmer die beteiligten Parteien hätten einfach nur Angst gehabt genau das könnte passieren. Der Abzug der Jupiter Raketen aus der Türkei war Teil der Vereinbarung die getroffen wurde, durfte aber auf keinen Fall bekannt werden.
Bei den bisherigen Veröfentlichungen stellte sich diese Frage gar nicht, da wurden Dinge Publiziert die jeden etwas angehen. Wie die Amerikaner ihren Krieg im Irak führen abseits aller Propagana, kann auf lange Sicht die Dinge nur verbessern, so peinlich das auch sein mag.

Tja auf der anderen Seite…
Es wiedert mich an wie derzeit alle auf Wikileaks einschlagen, ohne Sinn, ohne Verstand. Es ist schon erstaunlich, wie derzeit diverse Figuren der Amerikanischen/Europäischen/whatever Öffentlichkeit grade den Kopf von Wikileaks fordern, wo der Fehler doch unterm Strich eindeutig bei den Amerikanern selbst liegt!
Wenn man derart vielen Leuten, ohne jede Kontrolle an so sensible Informationen ran lässt, kann dabei nix anderes rauskommen. Wenn ich mein WLAN zu Hause nicht dicht mache, bin ich schließlich auch haftbar für Leute die was über meinen Anschluss runter laden!

Die eigentliche Frage ist doch auch eher grundsätzlicher Natur:
Muss wirklich alles immer frei publiziert werden? Quasi ein Informations-Anarchismus?
Tja die Frage weiß ich wirklich nicht zu beantworten, Jein wahrscheinlich. Irgendwo muss es da wohl ne Grenze geben, nu wo die liegt und vor allem wer die Zieht…
In einer idealen Welt würde sich die Frage wohl gar nich stellen, aber… naja.

Wir brauchen wohl das Prinzip Wikileaks, wenn wir denen, die jetzt am lautesten schreien recht geben,werden wir wohl nur noch mit Propaganda überschüttet.
Unterm Strich kann man das Fragezeichen dann wohl streichen und ich werde weiterhin das T-Shirt anziehen.