Abzocke auf Kosten der Bürger in Emden

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Vergangenes Wochenende bin ich das erste Mal seit längerem mal wieder mit dem Auto unterwegs gewesen. Es ging um einen Ausflug zu ’nem Konzert im äußersten osten Ostfrieslands, inklusive feucht-fröhlicher Mitfahrer auf der Rückbank. Ich weiß nicht, wie’s bei Euch aussieht, aber ich bin, ohne auch nur annähernd ein Sonntagsfahrer zu sein, jemand der sich seit jeher stumpf an die allgemeingültigen Geschwindigkeitsbegrenzungen hält. Wenn ich 50 fahren darf, gehe ich höchstens 5 km/h drüber, wenn ich 100 km/h fahren darf, dann fahr ich auch nur 100. Dieses Verhalten hat einerseits dazu geführt, dass ich nie auch nur ein einziges mal geblitzt wurde und andererseits, dass ich mich über penetrant nervige Raser, die sich scheinbar an garnichts halten, immer extremst aufgeregt habe. Der nach simplen, logischen Mustern denkende Mensch kommt automatisch zu dem Schluß, dass er nichts zu befürchten hat, wenn er sich an die Regeln hält. Bis zum besagten Wochenende war auch ich dieser scheinbar naiven Ansicht verfallen. Es passierte folgendes:

Nachdem der Ausflug vorbei war, ich meine angeheiterten Gäste wieder abgeladen und mich dann aufgemacht hab, zurück nach Hause zu fahren, wurde mir leider zu offensichtlich vor Augen geführt, wie dreist man als Emder Bürger von seiner eigenen Stadt verarscht wird. Ich war fast schon zuhause als ich mit meinem Auto die Petkumer Straße, aus Richtung Borßum kommend, durchfahren musste. In eben dieser Petkumer-Straße wurden vor einigen Jahren von der Stadt pro Fahrbahn je einer von diesen extrem teuren Hightech-Blitzern installiert, die ihre Debutvorstellung Jahre zuvor in der Auricher Straße hatten. Nach Installation der ersten zwei sogenannten „TraffiTower“ [sic!] wurden pro Tag SO viele Autofahrer geblitzt, daß die Stadtverwaltung zur Bearbeitung der Bußgeldbescheide extra zusätzliches Personal einstellen musste. Scheinbar hat diese Tatsache, trotz diverser Behauptungen seitens der Stadt, dass sie damit „kein Geld verdienen“ würde, dazu geführt, dass nach und nach fast jede wichtige aus der Stadt führende Straße derartige Blitzer verpasst bekommen hat: Zuerst kamen an der Kreuzung beim Westcenter auf einer kleinen Verkehrsinsel welche dazu, dann war Borßum an der Reihe und schließlich auch die Petkumer Straße im Bereich des Stadtteils Friesland – quasi auf gleicher Strecke wie schon die beiden Blitzer in Borßum. So weit so gut… wie ich schon vorher erwähnt habe, wurde ich – trotz der ganzen Radarfallen – nie geblitzt, da ich mich einfach an die Regeln gehalten habe. Jetzt neulich kam allerdings der Hammer. Offensichtlich hat sich die Entdeckung der jetzt überall aufgestellten Radarfallen als Einnahmequelle für die Stadt nun zur absolut maßlosen Gier gewandelt – die Stadt scheint den Hals nicht mehr vollzukriegen und hat die Petkumer Straße, die einzige Hauptverkehrsader, die in östlicher Richtung in die und aus der Stadt führt, zur 30 ZONE ERKLÄRT. Und zwar genau den Abschnitt, der schon seit einiger Zeit durch die Blitzer-Türme abgedeckt wurde.

Um zum Punkt zu kommen: Ich fuhr also aus Richtung Borßum über die Brücke, die den Stadtteil Friesland von Borßum trennt. Kaum hatte ich den höchsten Punkt der Brücke überschritten, war das neu errichtete 30 Zone Schild zu sehen, wegen dem ich langsam anfing, von 50 auf 30 runterzubremsen. Jetzt kommt’s aber: Die Stadt hat sich in ihrer maßlosen Gier dazu erdreistet, das „30“-Schild nur in minimalem Abstand vor der Radarfalle aufzustellen, so daß quasi JEDER der nicht entweder sofort aggressivst runterbremst oder schon beim Auffahren auf die Brücke anfängt, runterzubremsen, geblitzt wird. Genau das passierte dann auch. Durch meinen normalen, durchschnittlichen Fahrstil, der beinhaltet, dass man in der Regel nicht abrupt bremst, sondern die Geschwindigkeit durch sanftes Bremsen langsam auf die erlaubte Höhe verringert, ging ich sofort – wie scheinbar beabsichtigt – in die Falle, da ich noch geschätzte 40 km/h drauf hatte. Und das in meiner eigenen Stadt, an einer Stelle, die seit ich lebe und schon lange davor eine normale 50 Zone war, während ich eh gerade dabei war, abzubremsen.

Das ganze hat mich ’n bißchen zum Denken angerget (sonst würde ich hier auch kaum so viel schreiben). Ich war trotz offensichtlicher Geldgeilheit der Stadt immer relativ locker gegenüber dieser lächerlich übertriebenen Ausweitung der Radarüberwachung innerhalb der Stadt eingestellt. Denn wie die Erfahrung zeigte, hatte man keinen Nachteil, wenn man sich einfach grob an das Erlaubte gehalten hat. Dass das alles den Verantwortlichen aber scheinbar nicht genügte und jetzt auf breiter Front Abzocke der eigenen Bürger betrieben wird – und hier geht’s nicht nur um Abzocke, denn z.B. Fahranfänger können durch sowas schon verdammt schnell Probleme bekommen, die eventuell in extrem hohen Kosten ausarten – bringt mich zu der Erkenntnis, dass man vielleicht eh einfach das machen sollte, was einem gerade in den Kram passt. Und somit das nächste mal einfach drauf scheißt, was erlaubt ist und was nicht, solange man sicher sein kann, dass eventuelle Übertretungen nicht geahndet werden. Denn wenn man sich doch dran hält, gibt’s als Dankeschön trotzdem ’n Schlag ins Gesicht.

Ich hab euch mal diejenigen Stellen markiert, bei denen ihr vorsichtig sein müsst – beachtet besonders die mit „30“ gekennzeichnete Petkumer Straße in Friesland: Wie gesagt sind die Blitzer dort so aufgestellt, um möglichst viel Einnahmen zu generieren:

Lage der Abzockblitzer innerhalb Emdens

Wenn jemand noch mehr Emder Blitzer kennt, dann wär’s super wenn derjenige einen Kommentar hinterläßt. Ich werd die Karte dann aktualisieren. Ansonsten hier noch ein Linktipp (kenn die Site auch erst seit heute, könnte aber praktisch sein)

Diesen Abzockern sollte nicht noch mehr Kohle in den Rachen geworfen werden. Schade, daß man so mit seinen eigenen Bürgern umgeht… aber es passt ins Bild (das ist allerdings ’n anderes Thema). Prost!

EDIT:

Heute kam dann auch was „schönes“ mit der Post reingeflattert:
Abzockbestätigung
ABSCHAUM!!

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12 Responses to “Abzocke auf Kosten der Bürger in Emden”

  1. Nosports Says:

    Du hast vergessen den grund für die 30 Zone zu sagen, das setzt dem ganzen doch erst die Krone auf.

    EDIT: Ich meine nicht den vorgeschobenen Grund, dass sie das wegen den Anwohnern machen.

  2. radboud Says:

    Guter Punkt. Das steht im letzten Absatz unter dem Link über die 30 Zone. Ich zitiere:

    Das Tempolimit hat den weiteren Vorteil, dass die Stadt damit die Probleme bei der Geschwindigkeitsmessung in den Griff bekommt. An diesem Abschnitt haben nämlich die neuen Radarmessgeräte nicht immer so funktioniert, wie man sich das vorstellte. Das lag einfach daran, dass die Messanlagen Schwierigkeiten hatten, immer Lastwagen und Personenwagen zu unterscheiden, so dass einigen Pkw-Besitzern Bescheide ins Haus flatterten, die nicht richtig sein konnten.

    Ich denke, dazu erübrigt sich jeglicher Kommentar.

    Achja, ich hab im Text stehen, dass die Blitzer beim Westcenter nach denen in der Auricher Straße aufgestellt wurden. Wie man im ersten Link nachlesen kann, gingen die allerdings gleichzeitig an den Start, zumindest was den Aufbau betrifft; ich weiss nicht ob ich’s mir einbilde, aber ich meine, dass diejenigen beim Westcenter erst später eingeschaltet wurden – nicht viel später, aber doch mit etwas Verzögerung. Die Massen an Bußgeldbescheiden, welche rausgeschickt wurden, so daß die Stadt erstmal neue Leute einstellen musste, gingen allerdings hauptsächlich auf’s Konto des Blitzers in der Auricher Straße. Meiner Meinung nach ist das übrigens auch der einzig tatsächlich sinnvolle, der jemals aufgebaut wurde – da an der Stelle teilweise wie bescheuert gerast wurde.

    Wie gesagt, selbst wenn ich’s albern finde, kann ich mit Blitzern gut leben – solange sie nicht in willkürlich neu ausgedachten 30er Zonen direkt hinterm Schild stehen.

  3. mrshibby Says:

    muss nicht sogar ein Mindestabstand zwischen Radarfalle und Schild sein?
    wäre mal interessant zu wissen….

  4. Nosports Says:

    Genau das war auch meine erste Reaktion! Das dachte ich bis vor ein paar Tagen auch.
    Ich habe da gerade keine links mehr parat, hatte da letztens aber nach gesucht.
    Und zwar SOLLTE der Blitzer einen Mindestabstand von 200 Metern (manchmal hieß es auch 150 Meter) einhalten, MUSS er aber wohl nicht. Es gehört quasi nur zum guten Ton diesen Mindestabstand einzuhalten. Es sollte im Extremfall wohl nur eine gute Begründung vorliegen, wenn dieser Abstand nicht eingehalten wird.
    Kann auch sein, dass dies nur für bestimmte Bundesländer gildet, so ganz eindeutig waren die Google-Ergebnisse da nicht.

    EDIT: Hier steht in Niedersachen mindestens 150 Meter entfernung zur Beschränkung.
    Da sollte mal einer schauen was das Straßenverkehrsamt dazu zu sagen hat.

  5. radboud Says:

    Ich wusste, dass die Frage aufkommen würde ^^

    Das Straßenverkehrsamt wird dazu sagen, dass die Sache mit den 150 bzw. 200 Metern stimmt. Außerorts.

    Innerorts gibt es KEINE Beschränkung.

  6. Nosports Says:

    Das würde ich auch für sehr wahrscheinlich halten.
    Es ist aber auch dreist, man kommt da wie immer mit 50 angefahren, wundert sich erstmal über das 30 Schild, wirft dem ausrollend vielleicht noch einen wtf-Blick hinterher und *blitz*

  7. radboud Says:

    So in etwa. Nur dass ich – wie man in meinem Edit lesen kann – über 10 km/h langsamer gefahren bin, als ich mein gesamtes vorheriges Autofahrerleben dort gefahren bin und man dort immer fahren durfte. Das war mein Vergehen, deswegen werde ich abgezockt. ZU geil. Ich hasse diese Stadt.

  8. oli Says:

    Zum glück bist du nicht in der Schweiz. Da würde man 120.- für dein „vergehen“ bezahlen.
    http://www.bussenkatalog.ch/bussen

    In dem sinne nochmals glück gehabt.

    Greez

    P.S Cooler Blog.

  9. radboud Says:

    @oli: uff, das nenn ich mal happig! O_o

    Also ich bin letztes Jahr im August mit ein paar Leuten von Emden aus in die Zentralschweiz gefahren: 6 Leute in ’nem Van (4 davon hatten einen Auftritt auf ’nem Festival. Ich und noch eine Person sind nur aus Spass mitgefahren). Jedenfalls frag ich mich jetzt gerade, ob sich unser Fahrer darüber im klaren war, was da auf ihn zugekommen wäre, wenn wir geblitzt worden wären. (nicht dass er gerast wäre, aber trotzdem)

  10. Wolf Says:

    Du hast da was mit den Regeln fuer die Maximalgeschwindigkeit falsch verstanden!!

    1. Ohne runde Schilder mit rotem Rand und schwarzer Zahl gelten folgende Formeln:
    -Innerorts: 50km/h + 10 km/h + 3km/h = 63km/h
    -Ausserorts: AUFRUNDEN((100km/h + 20 km/h)/0,97) = 124km/h

    2. Mit runden Schildern mit roten Raendern und schwarzer Zahl ist die Formel ausserorts anders, und zwar:
    bei den Schildern 90, 100, und >100 km/h:
    AUFRUNDEN((schwarze Zahl + 10 km/h)/0,97)
    z.b. bei 90=schwarze Zahl: 104km/h
    bei 100=schwarze Zahl: 114 km/h

    bei den Schildern <90 km/h:
    schwarze Zahl + 10 km/h + 3km/h = schwarze Zahl + 13km/h

    3. Dabei ist immer die Tachotolleranz des jeweiligen Fahrzeugs zu beachten, die meisten Tachos zeigen mehr Geschwindigkeit an als wirklich gefahren wird, das laesst sich z.b. ueber GPS exact ermitteln um von einer genauen Geschwindigkeit ausgehen zu koennen.
    Mein Tacho entspricht z.B. bei 53 km/h in etwa 50 km/h.

    Wenn man nach diesen Regeln faehrt bleibt man dauerhaft unter dem Punktebereich!

  11. Anonymous Says:

    Nach 40 Jahren unfall- und punktefreien Fahrens haben die Emdener Wegelagerer mich nun auch bei einer Sonntagstour erwischt. 52 km/h – ich habe das 30er Schild wohl übersehen.

    Darüber zu diskutieren hilft ja nichts, aber meine persönliche Konsequenz lautet:

    EMDEN = NO GO AREA

  12. Namita Chittoria Says:

    Namita Chittoria

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